Der Westen "NRZ" vom 16.12.2008
Grüngürtel soll erhalten bleiben
ERKRATH. Vor zwei Jahren ist Marion Frenkel an den
Trillser Berg gezogen. "Ich wollte endlich mal ins
Grüne", sagt sie. Davon hat sie nun einiges vor der
Haustür. Denn sie blickt auf das "Kleine Bruchhaus", die
freie Fläche zwischen Bruchhauser Straße und Bergischer
Allee mit dem Bach, der "Hundewiese" und den Feldern -
noch jedenfalls. Denn immer wieder flammt die Diskussion
um eine Bebauung des Gebietes auf. Gemeinsam mit einigen
ihrer Nachbarn und unterstützt von der IG Erkrath will
sich Marion Frenkel nun für den Erhalt des Grüngürtels
einsetzen.
Vor etwa zwei Monaten hatte sich die Gruppe um Marion
Frenkel an die IG Erkrath gewandt. Zwar war das Thema
"Kleines Bruchhaus" seit einem Ratsbeschluss im März,
der einer Bebauung grundsätzlich zuließe, nicht mehr
öffentlich diskutiert worden. Auch ein Bebauungsplan
wurde bislang nicht verabschiedet. Doch die Anwohner
wollen nicht warten, bis es endgültig wird. Sie wollen
vorher die Stadt dazu bewegen, über Alternativen
nachzudenken.
Deshalb werden Marion Frenkel und ihre Mitstreiter noch
vor Weihnachten ihre Nachbarn auf Handzetteln über die
vorläufigen Pläne der Stadt zur Bebauung informieren. So
könnten beispielsweise drei- bis viergeschossige
Mehrfamilienhäuser zur Bergischen Allee hin entstehen.
Sie würden unter anderem als eine Art Schallschutz für
dahinter geplante Ein- und Zweifamilienhäuser dienen.
Puffer zum Naturschutzgebiet
Diese sogenannte Lärmschutz-Bebauung ist
nicht der einzige Punkt, an dem die Gruppe Kritik übt.
Die Bebauung rücke zu nahe an das angrenzende
Naturschutzgebiet heran. "Wir haben Angst, dass es
irgendwann ebenfalls zerstört wird", sagt Wolfgang
Cüppers, Vorsitzender der IG Erkrath. Ähnliche
Befürchtungen hegen die Erkrather Grünen. "Es gäbe
keinen Puffer mehr zu den Feuchtwiesen", sagt ihr
Vorsitzender, Peter Knitsch.
Dass Bruchhausen eine Pufferfunktion habe sei ihm neu,
erklärte gestern Bürgermeister Arno Werner auf
NRZ-Anfrage und reagierte damit ablehnend auf die Bitte
um Unterstützung der IG Erkrath. Die Stadt brauche neue
Einwohner und müsse die Chance nutzen, so Werner, vom
Wachstum des benachbarten Düsseldorfs zu profitieren.
Die Bebauungsgegner dagegen glauben nicht, dass ein
Neubaugebiet ausreicht, um gerade junge Familien nach
Erkrath zu locken. Erst einmal müsse etwas für das
Angebot in der Stadt getan werden, so Cüppers. Es fehle
beispielsweise an Einkaufsmöglichkeiten und
Freizeitangeboten für Jugendliche.
Die IG Erkrath fordert deshalb von Politik und
Verwaltung, zunächst ein Stadtentwicklungskonzept zu
entwerfen. Außerdem solle über Alternativen zur Bebauung
nachgedacht werden. So gebe es beispielsweise einen
erheblichen Leerstand von Wohnungen und
Einfamilienhäusern in der Stadt.
Quelle: Der Westen / NRZ