„Der Westen - NRZ“
vom 07.06.2009
Es klingt nach Routine: Am 10. Juni werden sich die Mitglieder des Umweltausschusses im Düsseldorfer Landtag von der Landesregierung den „Sachstand” zur geplanten Kohlenmonoxid-Pipeline der Bayer AG erläutern lassen. Aber es wird anders kommen.
In baulicher Hinsicht können die Verantwortlichen von „Bayer Material Science” weitgehend Vollzug melden: Die Rohre sind zwischen Dormagen und Krefeld-Uerdingen zu fast 100 Prozent verlegt - Bayer könnte den Betrieb, der bereits für Ende 2007 vorgesehen war, kurzfristig aufnehmen. Wären da nicht die juristischen Gefechte, die genau das seit Jahren verhindern. Ein Ende der gerichtlichen Scharmützel ist nach dem jüngsten ablehnenden Beschluss des Verwaltungsgerichts Düsseldorf nicht absehbar, so dass Bayer mittlerweile sogar über einen Projekt-Ausstieg und alternative Werks-Standorte zur Kunststoff-Herstellung nachdenkt. Die belgische Hafenstadt Antwerpen steht bereit.
Am 21. März 2006 sah die Welt für Bayer anders aus. Einstimmig und ohne Debatte verabschiedete der NRW-Landtag die „Lex Bayer”, die wegen des überragenden öffentlichen Interesses die notwendigen Enteignungen entlang der 67 Kilometer langen Trasse ermöglichte. Knapp ein Jahr später gab die Bezirksregierung grünes Licht für den Bau - doch parallel dazu formierte sich ernsthafter Widerstand. In mehreren betroffenen Orten bildeten sich Bürgerinitiativen, vor dem Landtag und in den Städten gab es Protest-Aktionen gegen die ihrer Meinung nach unsichere Pipeline. Auch Parteifreunde von CDU-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) melden sich zu Wort: Der Monheimer Bürgermeister Thomas Dünchheim kritisiert die Staatskanzlei als „beratungsresistent”.
In jedem Fall ist
Kohlenmonoxid ein tückisches Gemisch aus Kohlen- und
Sauerstoff. Auf der einen Seite handelt es sich um ein
Alltags-Gas: Es entweicht beispielsweise aus jedem
Auto-Auspuff. In hoher Konzentration kann es dagegen
tödlich wirken, es ist zudem sehr schnell entzündlich.
Die chemische Industrie benötigt Kohlenmonoxid als
Grundstoff für die Herstellung von Kunststoffen, die zum
Beispiel in CDs und vielen anderen Produkten stecken.
Steinbrück contra Pipeline
Die
Pipeline-Gegner haben einen prominenten
Unterstützer: Es ist Bundesfinanzminister
Peer Steinbrück (SPD), der außerdem im
Wahlkreis Mettmann für den Bundestag
kandidiert. Die Bedenken der Menschen,
betonte Steinbrück unlängst, seien
„verständlich”. Das wiederum brachte
Steinbrücks Parteifreunde i
Nachdem zwei Privatkläger mit Erfolg die Inbetriebnahme verhindert hatten, versicherte Bayer, alles daranzusetzen, die Sicherheit des Rohrleitungssystems zu verbessern. Entsprechend groß die Ernüchterung in der Bayer-Chefetage vor zwei Wochen, als die Düsseldorfer Richter feststellten, dass sich die Sicherheitslage vielmehr „verschlechtert” habe - Bayer will demnach auf ein oberflächennahes Warnband verzichten und habe zudem die Rohrwandstärke teilweise verringert.
Jetzt ist die Bezirksregierung gefordert: Die Genehmigungsbehörde kann entweder ein Hauptsache-Verfahren beantragen oder – wohl nach Absprache mit Bayer – den Planfeststellungs-Beschluss ein weiteres Mal nachbessern. Ein Bayer-Sprecher verrät Ernüchterung: „Wir können die Bedenken überhaupt nicht nachvollziehen."
Quelle: Der Westen - NRZ