Landtag streitet über CO-Pipeline
Düsseldorf. Der Zufall rückte den umstrittenen Bau der CO-Pipeline des Bayer-Konzerns gestern gleich zweimal in den Focus. Den während Arbeitgeber, Landesregierung und Gewerkschaften in Düsseldorf die Allianz „Pro Industrie und Nachhaltigkeit” gründeten, um den Produktionsstandort NRW zu sichern, geriet gleichzeitig im Landtag die Bayer-Röhre unter Beschuss.
Und während Wirtschaftsministerin Christa Thoben (CDU) vor einer Blockade warnte und den Konzern ermunterte, das Projekt notfalls auf juristischem Wege durchzusetzen, warfen ihnen die Grünen vor: „Die Regierung und Bayer eiern weiter herum statt jetzt einen Schlusstrich zu ziehen.”
Für die Annahme, Bayer werde nach der jüngsten Niederlage vor dem Verwaltungsgericht Düsseldorf aus dem Pipeline-Projekt von Dormagen nach Krefeld aussteigen, gab es gestern keinen neuen Hinweis. Der Konzern rechne mit einer Inbetriebnahme erst im nächsten Jahrzehnt, so Thoben. Das Umweltministerium sieht in der Pipeline zwar ein „bedeutsames Industrieprojekt”, fordert aber bestmögliche Sicherheit.
„Mit großer Sorge” sieht Thoben zunehmende lokale und regionale Widerstände gegen neue Produktionsanlagen oder die Modernisierung von Kraftwerksparks. Dabei sicherten allein die geplanten Kraftwerke in Datteln, Lünen, Walsum, Neurath und Hamm in der Bauphase 7670 Arbeitsplätze, nach der Inbetriebnahme würden dort 3000 Beschäftigte Arbeit finden. Die Unterzeichner des Industrie-Allianz wollen die Bürger deshalb stärker über die Zukunftschancen durch vorhandene und High-Tech-Industrie informieren und aufklären.
Umfrage: Zwei Drittel für neue High-Tech-Industrien
Nach einer Studie im Auftrag Thobens können 15 % der Befragten als „Totalverweigerer” von Industrieprojekten bezeichnet werden. Bei Kraftwerken, Piepelines und Chemieanlagen sei der Widerstand besonders groß, während nur 6 Prozent gegen Gewerbegebiete opponieren. Allerdings sind zwei Drittel ( der Bevölkerung der Ansicht, dass NRW neue High-Tech-Industrien brauche.
NRZ, 10.06.2009, Theo Schumacher