CO-Pipeline durch den Schützengraben
Nicht wieder zu erkennen ist das heutige Erkrath auf Luftbildaufnahmen von 1943. Ein Anhaltspunkt liefern lediglich die Betonlinien, die die Autobahnen 3 und 46 auch damals schon in die Landschaft malten. Unterbacher See und Unterfeldhaus? Gab es damals noch nicht. Hauptsächlich Felder zeigen die Aufnahmen aus Kriegszeiten. Für die Pipeline-Gegner von der „IG-Erkrath” sind besonders die gelben Punkte auf der Karte von Interesse. Sie markieren Stellen, an denen es vor Ort Bombenabwürfe oder Flakstellungen gegeben hat. Ein paar Auszüge aus der Legende: Haus Unterbach, Ten Ofen, Erkrather Straße, Römerweg, Hochdahler Straße, Schöne Aussicht, Alt-Hochdahl. Auch die A3 und die Bahnstrecke Wuppertal-Düsseldorf finden Erwähnung. Gerade hier verläuft die Pipeline.
Nachdem aus dem Landtag in Düsseldorf bekannt wurde, dass die Baufirma Wingas die Trasse der umstrittenen Kohlenmonoxid-Röhre nicht auf Kampfmittel untersucht hat, war der Aufschrei und die Entrüstung groß. Nicht nur unter dem harten Kern der Pipeline-Gegner. Auch Regierungspräsident Jürgen Büssow äußerte seinen Unmut.
Suche im
Stadtarchiv
Die „IG Erkrath”
wollte es jetzt
genauer wissen:
Welche
Gefahrenpunkte
gibt es konkret
in Erkrath? Mit
dieser
Fragestellung
beschäftigten
sich Mitglieder
der Gruppierung
eine Woche lang.
Sie forschten in
den düsteren
Kapiteln
Erkrather
Historie,
sprachen mit
Zeitzeugen und
durchforsteten
das Stadtarchiv
nach
Informationen.
IG-Vorsitzender
Wolfgang Cüppers
sagt: „Fast alle
berichteten von
einer starken
Bombardierung
der A3 und der
Bahnstrecke.”
Das wäre nicht so schlimm, wenn laut Cüppers nach dem Krieg systematisch nach Kampfmitteln gesucht worden wäre. Überall dort wo auf der Karte die gelben Markierungen warnen. Das sei aber nicht geschehen. „Nur in Verdachtsfällen, wenn etwas gefunden wurde”, so Cüppers.
Schon 1000
Granaten
gefunden
Von solchen
Geschichten
hörten die
Erkrather in
ihren Gesprächen
mit den
Zeitzeugen. Da
habe in
Unterfeldhaus
ein Bauer eine
Bombe
hochgepflügt und
da haben im
Naturschutzgebiet
Bruchhausen
Kinder beim
Spielen Granaten
gefunden – und
diese mit in die
Schule genommen.
1000 Granaten
seien laut
Nachforschungen
von „IG Erkrath”
bereits vor Ort
gefunden worden.
Cüppers schätzt:
„Nach dem, was
wir gehört
haben, ruhen
bestimmt noch
einmal so viele
in der Erde.”
Auch
Munitionsreste,
die in Höhlen
versteckt
wurden, stellen
eine Gefahr da.
Der Erkrather kann nicht verstehen, wie Bayer die Pipeline ohne Kampfmittelsicherung etwa auch durch einen alten Schützengraben – dort wo heute die Siedlung Am Maiblümchen liegt – verlegt hat. „Die haben bewusst ihre Arbeiter einer lebensgefährlichen Situation ausgesetzt.”