Masterplan Neandertal

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Das Neandertal ist ein weitgehend unbebauter Talabschnitt im niederbergischen Land, in der die Düssel zwischen den Städten Erkrath und Mettmann fließt. Etwa Mitte des 19. Jahrhunderts erfolgte die Umbenennung des Tales vom „Hundsklipp“ in „Neandertal“ zum Gedenken an Pastor Joachim Neander. Durch den Fund der fossilen Überreste eines Urzeitmenschen aus dem Pleistozän (Zeitspanne Beginn der Vergletscherung der Arktis), dem Neandertaler (nach dem Fundort benannt), wurde das Tal weltweit berühmt. 1921 wurden große Teile des Neandertals unter Naturschutz gestellt. Ende des 20. Jahrhunderts wies man das Neandertal als „Natura 2000 Gebiet“ aus. Somit entspricht es der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie von 1992 und erhält rechtliche Unterstützung aus dem Bundesnaturschutzgesetz. Es gilt, diesen ökologisch wertvollen Lebensraum weiter verantwortungsvoll  gemäß den Richtlinien zu bewahren und zu beschützen.
 

Daraus resultierend ist es nicht einfach, die Bedürfnisse von Flora und Fauna höchst sensibel mit den unterschiedlichsten Interessen der Anwohner, der Naherholungssuchenden,  Museumsbesucher  und Gewerbebetreibenden sowie mit dem allgemeinen Landschafts- und Naturschutz in Einklang zu bringen. Gerade dieser großen Aufgabe stellt sich das Projekt:  

 

 


„NaturKulTour  Neandertal - Masterplan  für ein  Kulturerbe der Eiszeit“

 

 

Träger des Projektes ...
 

Um den Natur- und Kulturraum „Neandertal“ weiterzuentwickeln, arbeiten Projektgruppen des Kreises Mettmann, der Städte Mettmann und Erkrath sowie der Stiftung Neanderthal Museum gemeinsam an der Gestaltung eines Masterplans. Zwischen Frühjahr 2009 und Spätsommer 2010 soll damit unter Mitwirkung verschiedener Verbände, Interessenvertreter, Bürger und Institutionen ein Konzept zur sinnvollen Entwicklung von Touristik entstehen, das unter ökologischen Gesichtspunkten mit den Erfordernissen des Naturschutzes vereinbar ist.

Auf der Arbeitsebene stellen die vier Träger (Kreis Mettmann, Stadt Mettmann, Stadt Erkrath, Stiftung Neanderthal Museum) eine fachliche Begleitung, die den Planungsprozess unterstützt.  Ein Lenkungskreis bildet das zentrale Gremium zur Abstimmung der erarbeiteten Inhalte hinsichtlich der Hauptaussage des Masterplans.

Die Neandertalkonferenz, bestehend aus den Mitgliedern des Landrats, des Kreises Mettmann, den Bürgermeistern der Städte Mettmann und Erkrath sowie dem Vorsitzenden des Stiftungsrates Neanderthal Museum, entscheidet über Strategie und Inhalt des Masterplans. Die Entscheidungen werden durch die Projektgruppe und den Lenkungskreis  vorbereitet.

 

 

Förderung des Projektes ...

  

Das Projekt „NaturKulTour  Neandertal – Masterplan für ein Kulturerbe der Eiszeit“ wird mit Mitteln der EU und des Landes NRW unterstützt. Hierzu werden voraussichtlich Ende Mai 2010 dem Ausschuss für Umweltschutz, Landschaftspflege und Naherholung die von den Projektfachgruppen erarbeiteten Projektvorschlägen vorgestellt. Nach Beendigung dieser Wettbewerbsphase wird dann auf Landesebene eine Entscheidung über die Verteilung der Fördermittel getroffen. Die Zuweisung der Zuschüsse, die für die Umsetzung konkreter Maßnahmen gewährt werden, ist dann aber an eine Erklärung der jeweiligen politischen Gremien der Projektträger zur Übernahme des Eigenanteils gebunden. In Aussicht steht die Möglichkeit einen Zuschuss von bis zu 80% der Projektfinanzierung zu erlangen.

 

 

 Beteiligung der IG Erkrath am Masterplan Neandertal ... 

Zahlreiche Bürgerinnen und Bürger, Interessenvertreter und sonstige Gruppierungen haben in der Zeit von Juli 2008 bis März 2010  ihre Ideen und Anregungen zum Masterplan Neandertal in den Bereichen: Kultur, Raumstruktur,  Städtebau, Tourismus, Verkehr, Natur- und Landschaft gesammelt und eingereicht. Auch die IG Erkrath sieht ökologische und wirtschaftliche Chancen für die Region, wenn es gelingt, mit viel Fingerspitzengefühl und Verantwortung die Gradwanderung zwischen  Naturschutz, Freizeitinteresse und wirtschaftlicher Unterstützung zu bewältigen. Neue Wege eröffnen neue Perspektiven und können damit auch zur Erhöhung unserer Lebensqualität beitragen.

 

 

Unsere Anregungen zum Projekt „Masterplan Neandertal“ 

  • Neuplanung und Festlegung von Radstrecken im Neandertal zum Schutz der Wälder und deren Bewohner, gegen wildes Querfeldeinfahren.

  • Ausbau und punktuelle Intensivierung der Wanderwege, um wertvolle Gebiete zu deren Schutz ruhiger stellen zu können.

  • Aufstellung von mehr Mülleimern und Papierkörben, um das Naturschutzgebiet sauber zu halten.

  • Anlage besonderer Erlebnis-Pfade, geschichtlicher und naturkundlicher Lehrpfade oder Sinnes-Pfade. Einige Beispiele zum Sinne-Pfad: Wasser rauschen hören, Leben am Wasser wahrnehmen, Naturholzklangspiele – verschiedene Hölzer am Ton unterscheiden können, Tasterlebnisse – Laub und Waldboden, steinige Abschnitte, feuchte Abschnitte z.B. Barfuß im Sommer erleben …

  • Einheitliche Beschilderungen im gesamten Neandertal.

  •  Herausgabe eines regionalen Wander- und Erlebnisführers, speziell für das Neandertal.

  •  Anlegen eines Hochseilgartens unter besonderer Berücksichtigung der Natur begrenzt in erlaubter Region des Waldes, um so den Anreiz für wildes Budenbauen und Klettern und die damit verbundene Zerstörung von wertvollen Bäumen zu verringern.

  • Im Gelände Neanderbad: Anlage einer künstlichen Klettersteilwand oder die Freigabe einer Steilwand nach Schließung des z.Z. noch betriebenen Steinbruchs.

  • Neanderbad: Ausbau und Erweiterung der Wasserflächen im Freibadbereich, besondere Anlage von Wasser-Erlebnis-Spielgärten für Kinder, Beachballbereiche für Vereinsspiele und Privatspiele im Sommer/Herbst.

  • Parkplatz Neanderbad erweitern und mit Shuttle-Busangeboten von der  S-Bahn über dem Parkplatz Neanderbad zum Neanderthal Museum schaffen. Der Parkplatz sollte mit Schatten spendenden Bäumen versehen werden, damit sich in der Sommerzeit die geparkten Fahrzeuge und insbesondere die Kindersitze nicht mehr bis zur schmerzhaften Verbrennung aufheizen können.

  • Einführung eines Ferienpasses für kulturelle Veranstaltungen unter besonderer Berücksichtigung von Familien mit ermäßigtem Eintritt und Fahrmöglichkeiten.

  • Feinstaubbelastung mindern, Umgehungsstraße von Mettmann aus um das Neandertal mit direkter Verbindung zu einem Sammelparkplatz mit Shuttle-Busangebot schaffen, um den Naturschutzbereich zu schützen.

  •  Im Winter, wenn genug Schnee liegt, Langlaufloipen spuren und einen Rodelberg für die Kinder offiziell frei geben, eventuell eine Sommerrodelbahn anlegen.

  • Sanfter Tourismus – Wochenendausflügler anziehen durch mehr Unterkünfte (Unterkünfte schaffen, indem der Altbestand saniert wird)

  • Gastronomie entsprechend erweitern, Einkehrmöglichkeiten durch Sanierung vorhandener Altbestände schaffen. Leestehende Höfe in der Region sanieren und Wanderwege gezielt entlang führen.

Bei all den Überlegungen zur Belebung der Region sollten der Schutz von Flora und Fauna sowie der besondere Schutz des Kulturerbes Neandertal Vorrang haben.  Die größte und schwierigste Aufgabe des Masterplans ist der Spagat zwischen der Suche nach  zusätzlichen Arbeitsstätten und Einnahmen der Kommunen,  der Vermeidung von Fehlplanungen und dem Erhalt des Natur- und Kulturerbes Neandertal. Eine Gradwanderung die viel Fingerspitzengefühl und Verantwortungsbewusstsein verlangt.

November 2010 es ist soweit. Mit einer stattlichen Sammlung von Projekten aus dem Masterplan haben die Projektträger unter dem Titel „Erlebnis Neandertal“ erfolgreich am "Ziel-2-Wettbewerb Erlebnis NRW" teilgenommen und konnten sich gegen die Konkurrenz durchsetzten. Aus dem "Ziel-2-Wettbewerb Erlebnis NRW" können  nun 4,8 Millionen Euro ins Neandertal fliessen. Der Tourismuswettbewerb beschehrt weitere 480 000 Euro Fördermittel. Bis Ende 2013 müssen laut Wettbewerbsbestimmungen folgende ausgewählte Projekte abgeschlossen sein.

  • Der Bau eines Panoramaaufzuges zum Regiobahn-Halt des Neanderhochpfades.

  • Themenwege (Urgeschichte, Kalkabbau, Naturerlebnis)

  • Die Einrichtung eines Informations-Centers mit Ranger-Station.

Der Kreis Mettmann, die Stiftung Neandertahl Museum, die Städte Erkrath und Mettmann sind jetzt in der Pflicht, zusätzlichen 1,2 Millionen Euro zu finanzieren.