22.06.2007: NRZ: Wie konnte es soweit kommen?

CO-PIPELINE. Zum Teil fassungslos stehen 600 Besucher der Stadthalle vor dem, was bereits beschlossene Sache sein soll. ERKRATH. Hilflose Empörung bis nackte Wut - Emotionen gestern Abend in der mit rund 600 Besuchern vollbesetzten Stadthalle. Eine Kohlenmonoxyd-Leitung direkt vor der Haustüre - einige Erkrather, beispielsweise an der Johannesberger Straße, leben nur sechs Meter von der Trasse entfernt. Und alles scheint bereits abgemachte Sache zu sein. Eine junge Türkin übersetzt vor der Tür per Handy das eben Erfahrene ihrer Familie. "Haben Sie das gehört?" fragt sie dann, "das ist unfassbar: Nur um Geld zu sparen, und die dürfen das?"

Und die dürfen das?

Fragen über Fragen. Warum hat der Bürgermeister erst jetzt zu einer Versammlung eingeladen, wo das Verfahren seit drei Jahren läuft ? Wo war Bayer, Motto "Chemie im Dialog", auf dem Cityfest oder anderen öffentlichen Gelegenheiten mit seinem Infomobil? Wie kann eine Bezirksregierung den Planfeststellungsbeschluss absegnen, ohne alle Sicherheitsrisiken abgewogen zu haben? Die Feuerwehr habe nicht mal ein Fahrzeug um sich im Falle einer Havarie dem Unfallort zu nähern. Als "Mumpitz" bezeichneten Bürger Notfallpläne angesichts dieser Lage, als "pure Idiotie" die Idee, eine CO-Leitung direkt neben eine Gasleitung zu legen.

Werner Breuer von Bayer Material Science tat sein Möglichstes, die Sicherheit der Rohrleitung zwischen Dormagen und Uerdingen zu dokumentieren: Kunststoff ummanteltes Stahlrohr, 25 Zentimeter im Durchmesser, Sensoren, Überwachungstechniken – eine Risikoabschätzung, vor allem aber eine Kosten-Nutzen-Rechnung. Die Vertreter der Bezirksregierung halten alles für ausreichend geprüft. Sie ernteten Buh-Rufe und Pfiffe.

Klaus-Dieter Holst, Technischer Beigeordneter der Stadt Erkrath, und Kreisumweltdezernent Hans - Jürgen Serwe wiesen auf die Schwachstellen dieser Argumentation hin. Erdbeben, von der Neandertalbrücke abstürzende Lkw, beispielsweise. Oder Sabotage. CO setzt sich an die roten Blutkörperchen und hindert das Hämoglobin daran, Sauerstoff zu transportieren. Das Ergebnis ist, als ob jemand Abgase in ein Auto leitet. Serwe erläuterte drastisch: Erst Mattigkeit, Bewusstseinsstörungen, rosa Haut, Kollaps, Lähmungen, jeweils abhängig von Konzentration und Zeitfaktor.

Grund für die Pipeline, so Bayer: In Dormagen fällt Kohlenmonoxid an, das bei der Kunststoffproduktion in Uerdingen benötigt wird. Die Produktion zu verlegen sei nicht wirtschaftlich. Bürgermeister Arno Werner versprach, "alle rechtlichen Möglichkeiten im vollen Rahmen auszuschöpfen". Vielen reicht das nicht. Applaus erhielt die Hildener Bürgerinitiative gegen das Projekt. Sie fordert Bayer auf, die Bauarbeiten zu stoppen.

Quelle: NRZ online

21.06.2007 SUSANNE ZIMMERMANN



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